Stiepeler Dorfkirche

In einer Industrieregion wie dem Ruhrgebiet werden die Besucher durch die im Ruhrtal idyllisch gelegene Stiepeler Dorfkirche überrascht. Sie ist vermutlich das älteste Baudenkmal Bochums und eines der schönsten dazu.

"Mit ihren reichen Malereien, die vom 12. bis 16. Jahrhundert entstanden sind, ist die Stiepeler Dorfkirche in Westfalen einzigartig. Vor allem die fast 800 Jahre alten Malereien aus der Frühzeit der Kirche geben ihr eine Bedeutung, die weit über die Grenzen Deutschlands hinausreicht."- Hilde Claussen (Landesdenkmalamt Münster)

Im Bochumer Stadtteil Stiepel mit einer teilweise heute noch ländlich-dörflichen Umgebung liegt die Dorfkirche idyllisch inmitten eines historischen, baumbestandenen Kirchhofs. Vor 1000 Jahren ließ Imma, Ehefrau des Grafen Liutger aus dem Geschlecht der Billunger und Schwester des Bischofs Meinwerk von Paderborn, auf dem Hof Stiepel eine Eigenkirche bauen. Im 12. Jahrhundert wurde anstelle der Saalkirche eine romanische Basilika errichtet. Sie wurde im 15. Jahrhundert zur heutigen Hallenkirche ausgebaut. Seine besondere Bedeutung über die Grenzen Deutschlands hinaus gewinnt das Kulturdenkmal an der Ruhr durch die vielgestaltige, farbige Ausmalung im Innenraum. Seit der Reformation ist die Stiepeler Dorfkirche evangelisches Gotteshaus, das sich in der Gegenwart auch als Kulturzentrum (siehe Kulturhappen / Kultursommer / Kirchenmusik) für Bochum und die Region präsentiert.

Die Stiepeler Dorfkirche ist eine "Offene Kirche". Schauen Sie doch einmal vorbei.

Geschichte

Gründung

Die Gründung muss man um das Jahr 1008 datieren. Zunächst wurde eine kleine Saalkirche errichtet, die um 1150 von einer romanischen Basilika überbaut wurde, von der das einjochige Mittelschiff und das dreijochige Querschiff noch vorhanden sind. Im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts erfuhr die Basilika eine Erweiterung zu einer spätgotischen Hallenkirche. Sehenswert ist der umgebende Kirchhof. Sein ältester Grabstein datiert von 1600, Mauer und Torhaus stammen aus noch früherer Zeit.

Bauphasen

Die unterschiedlichen Bauphasen der Kirche kann der Besucher an den romanischen Kreuzgratgewölben im Mittelschiff und an den spätgotischen Kreuzrippengewölben im Chorraum sowie im Südwesten und Nordwesten leicht ausmachen. Dazu gehören jeweils die Wand- und Deckenmalerein aus dem 12. und späten 15. Jahrhundert. Sie wurden 1698 übertüncht und erst 1952 wieder aufgedeckt und in der Folge in mehreren Schritten bis 2002 restauriert und gesichert.

Restaurierung 1998 - 2004/2007

Eine zunehmende Instabilität des Turms gab 1998 den Anlass zu einer Grundsanierung und Restaurierung des Turms, des Außenmauerwerks und des Innenraums der Kirche. Den Abschluss der Restaurierung bildete 2004 der Einbau der neuen Orgel. Im Jahr 2007 folgte die Restaurierung des historischen Kirchhofs.
Die über 1,7 Millionen Euro Kosten konnten von der Kirchengemeinde nicht aufgebracht werden. Die Finanzierung wurde möglich durch Spenden und Zuschüsse verschiedener Stiftungen und zahlreiche Einzelspenden. Dass die Finanzierung gelang, ist im Wesentlichen der Initiative des "Freundeskreis Stiepeler Dorfkirche" zu verdanken, ein freier, nicht vereinsgebundener Zusammenschluss engagierter Stiepeler und Bochumer Bürgerinnen und Bürger.

Ausstattung

Wand- und Deckenmalereien

Die aus dem 12. bis 16. Jahrhundert original erhaltenen Wandmalereien geben der Kirche die Bedeutung eines überregionalen Kulturdenkmals.

Aus romanischer Zeit stammt die Darstellung des Bethlehemitischen Kindermordes in der nördlichen Seitenapsis und die daran anschließende Flucht nach Ägypten, außerdem der richtende Christus mit den Brüdern Kain (mit Ährengabe) und Abel (mit Lamm). Die reichen Dekorationsmalereien - Marmorierungen, Ornamentbänder und Teppiche - in den romanischen Gewölben finden Entsprechungen in anderen Kirchen Westfalens, sind in dieser Fülle jedoch einmalig.

Spätgotischer Herkunft ist die vierteilige Paradiesszene an der Nordwand und die Malereien im Chorraum mit der großflächigen Darstellung des Drachenkampfes aus der Georgslegende.

Innenausstattung

Gegenüber der Vielfalt der Malereien ist die Innenausstattung eher karg. Auffällig sind mit dem Blick vom Haupteingang zwei steinerne Reliefs: Am Nordpfeiler ein Löwe, am Südpfeiler ein Drache, Symbole für den Kampf zwischen Christus und Satan. Das spätgotische Sakramentshäuschen im Chorraum kam mit dessen Neugestaltung Ende des 15. Jahrhunderts in die Kirche. Auch der Taufstein in der südlichen Nebenapsis ist aus spätgotischer Zeit. Altar und Kanzel wurden im Zuge der Renovierung des Innenraums 2002 neu gestaltet. Die neue Orgel wurde 2004 eingebaut.

 

Die Kirschner-Orgel (2004)

Am 30. Oktober 2004 wurde in der Stiepeler Dorfkirche. Gebaut wurde sie von der ostfriesischen Orgelbauwerkstätte Harm Kirschner aus Weener.

Deutlich am norddeutschen Barock des frühen 18. Jahrhunderts orientiert sich das Klangbild der Orgel, mit seinem überwiegend aus Blei bestehenden Pfeifenwerk. Das Blei wurde nach historischem Vorbild auf Sand gegossen und anschließend gehämmert. Die Verwendung von Blei hat gegenüber Zinn den entscheidenden Vorteil, dass viele unangenehme Teiltöne absorbiert werden, der Klang der Pfeifen ist somit grundtonverstärkt.

Orgelführung


In Verbindung mit einer Kirchenführung - oder als eigene Veranstaltung - bieten wir Orgelführungen und Orgelkonzerte zu privaten Anlässen an.

Disposition

Hauptwerk C - f"'           
Principal     8`ab gis° 2-fach     2% Zinn
Hohl Floit     8`     2% Zinn
Viola da Gamba     8`     80% Zinn
Octav     4`     2% Zinn
Nassat     3`     2% Zinn
Octav     2`     23% Zinn
Mixtur           23% Zinn
Trommet     8`     23% Zinn; Zungen/Kehlen Messing
Positiv C - f"'           
Gedackt     8`     Eiche
Quer Floit     8`ab c`     Eiche, C - h mit Gedackt
Spitz Floit     4`     2% Zinn
Walt Floit     2`     2% Zinn
Sesquialter           23% Zinn
Vox Humana     8`     2% Zinn; Zungen/Kehlen Messing
Pedal C - f           
Groß Baß     16`     C - H Eiche, ab c° 2% Zinn
Principal Baß     8`     Transmission HW
Trommet Baß     8`     Transmission HW
            
Kanaltremulant           
Zimbelstern           
Koppel     Positiv/Hauptwerk     
Koppel     Hauptwerk/Pedal     
Koppel     Positiv/Pedal     
Temperierung:     Werkmeister III     
a` =     440 Hz bei 18° C     
Windversorgung     durch 3 Keilbälge